Rezension: „Die Kraft des Heiligen Geistes“

Buchbesprechung von Michael Borkowski, Hannover (Therapeut und BEFG-Pastor i.R.)

Frauke Bielefeldt (Hrsg.), Die Kraft des Heiligen Geistes: Wie Gottes Gegenwart erfahrbar ist  (Gießen: Brunnen/GGE, 2026, 226 S.)

 

Es macht einfach Freude, dieses Buch zu lesen. Es ist eine einzigartige Mischung. Da trifft man/frau auf solide Grundlagenarbeit für eine Theologie des Heiligen Geistes. Hier las ich mit Gewinn den Beitrag des Gießener Theologen Christoph Raedel zu einer „Kleinen Theologie des Heiligen Geistes“.

Im Abschnitt Reflexion sticht besonders das Kapitel „Der Heilige Geist in Deutschland – eine Geschichte mit Hindernissen“ aus der Feder des Berliner Pfarrers Swen Schönheit heraus, dem Vorsitzenden der Geistlichen Gemeinde-Erneuerung in der Ev. Kirche.

Schließlich die überaus wertvollen Beiträge zur Praxis, in denen vor allem Mut gemacht wird, neue Schritte in der Führung des Heiligen Geistes zu wagen. So berichtet Michael Bendorf, Gemeindepastor aus Braunschweig, wie die heilende Kraft des Heiligen Geistes vor Ort erfahren werden kann. Andere erzählen vom Hörenden Gebet, Sprachengebet, Befreiungsdienst und Lobpreis „More than a feeling“. Der Herausgeberin Frauke Bielefeldt gelingt, was in der Community nur selten anzutreffen ist: unterschiedliche Menschen mit unterschiedlichen Anfahrtswegen zum Thema zusammenzubringen.

Für mich gibt es im Buch einen Schlüsselsatz: „Kirche? Erfahrungen mit dem Heiligen Geist? Ja, aber … zu viel Zeit und Kraft soll dann doch nicht draufgehen.“ Kerstin Wendel, Autorin und Referentin, schreibt unter der Überschrift „Willkommen, Geist Gottes ?!“ von einer Sattheit und Selbstzufriedenheit im Gemeindeleben. Das Feuer wird kleingehalten.

Da kann ich nur zustimmen. Die Segel der Erwartungen werden kaum gesetzt, sodass der göttliche Wind erst gar nicht hineinwehen kann. Vor allem die Ortsgemeinde ist hier gefragt. Das befreit vor individueller Engführung und frommer Selbstoptimierung.

Das Buch ist in einem bestimmten geschichtlichen Kontext entstanden. Wir erleben, so meine Beobachtung, augenblicklich eine neue Bewegung des Heiligen Geistes. Zart, aber doch voller Kraft. Das Buch öffnet dafür weit die Fenster, für Einsteiger und Erfahrene gleichermaßen.

Eine Wahrnehmung und Anregung zum Schluss. Der kürzlich verstorbene Tübinger Theologe Jürgen Moltmann weist auf ein in die Weite führendes Tun des Heiligen Geistes hin. Es geht über die Gemeinschaft der Glaubenden hinaus. Geisterfahrung erstreckt sich auf „alles Fleisch“. Er wirkt auch jenseits der charismatischen Bewegung.

Und da lohnt sich theologische Fleißarbeit. Was ist mit dem Wirken des Heiligen Geistes in der mystischen Erfahrung, in anderen Religionen und säkularen Erneuerungsbewegungen? Der Heilige Geist lockt immer wieder zu Grenzüberschreitungen und macht Mut zu neuen Glaubensschritten, manchmal auch ohne Geländer. Die Kraft des Heiligen Geistes führt in einen großen Resonanzraum.

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