Rezension: „Die Kraft des Heiligen Geistes“
Buchrezension für das European Journal of Theology
von Dr. Klaus Bensel, Pastor EFG Schwelm
Frauke Bielefeldt (Hrsg.), Die Kraft des Heiligen Geistes: Wie Gottes Gegenwart erfahrbar ist (Gießen: Brunnen/GGE, 2026, 226 S.)
Nachdem Frauke Bielefeldt 2024 in Zusammenarbeit mit der Geistlichen Gemeindeerneuerung (GGE) im Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden in Deutschland das Buch „Die Kraft des Kreuzes“ herausgegeben hat, erschien im April 2026 unter ihrer Herausgeberschaft der Sammelband „Die Kraft des Heiligen Geistes. Wie Gottes Gegenwart erfahrbar ist“, an dem neben der GGE drei weitere charismatische Erneuerungsbewegungen in Deutschland beteiligt sind: die Geistliche Gemeindeerneuerung in der evangelischen Kirche, die Charismatische Erneuerung in der Katholischen Kiche (CE) und GEISTbewegt im Bund Freier evangelischer Gemeinden.
Zum Autorenkreis der 24 Artikel gehören neben Theologen, Pastoren, Referenten und Gemeindemitarbeitern, die sich in den Leitungskreisen dieser Bewegungen oder in anderen Bereichen der charismatischen Bewegung engagieren, wie Marc Strunk, Dozent und Fachbereichsleiter für Systematische Theologie am pfingstkirchlichen Theologischen Seminar Erzhausen, auch mehrere Hochschuldozenten, zu deren Forschungsschwerpunkten die Pneumatologie und die pfingstlich-charismatischen Bewegungen gehören, wie Christoph Raedel, Professor für Systematische Theologie und Theologiegeschichte an der Freien Theologischen Hochschule Gießen und Vorsitzender des Arbeitskreises für evangelikale Theologie, sowie der lutherische Theologe Peter Zimmerling, der bis 2025 Professor für Praktische Theologie an der Universität Leipzig war.
Im Werbetext dieses Sammelbandes, der sich der Lehre und der Erfahrung mit dem Heiligen Geist widmet, beschreibt der Verlag ein zentrales Anliegen des Buches: „Gründliche Theologie verbindet sich mit leidenschaftlicher Praxis. Diese Kombination öffnet Türen, um ,charismatische‘ Anliegen im akademischen Raum der theologischen Ausbildungsstätten begründet und reflektiert zu etablieren.“ Diesem Anspruch will das Buch dadurch gerecht werden, dass es dem vielfach festgestellten Defizit in der Theologie begegnet, in der die Lehre vom Heiligen Geist meist nur kurz abgehandelt wird – Swen Schönheit spricht von der „Geistvergessenheit“ in der Theologie. Es begegnet dem Defizit in der akademischen Ausbildung, in der charismatische Spiritualität und Geisterfahrungen kaum beleuchtet werden. Diese Lücke füllt das Buch aus, indem es einen weiten Bogen von theologischen Grundlagen der Pneumatologie, über Reflexionen zur geistlichen Erneuerung hin zu einem ausführlichen Praxisteil spannt. Dabei lässt es 28 Autoren unterschiedlicher konfessioneller Prägung zu Wort kommen, die systematische, kirchengeschichtliche und pastoraltheologische Akzente setzen und in ökumenischer Weite eine Vielzahl geistlicher Gaben und Dienste reflektieren.
Christoph Raedel entfaltet „[e]ine kleine Theologie des Heiligen Geistes“, die er mit einer interessanten Fragestellung eröffnet, nämlich ob man den Heiligen Geist verehren und anrufen dürfe. Der Artikel beleuchtet Wesen und Wirken des Heiligen Geistes im Leben der Kirche, im Leben der Christen, in Bezug auf die Vollendung der Welt und in Bezug auf die Trinität und hebt hervor, dass es die Gläubigen „im Heiligen Geist mit Gott („persönlich“) zu tun haben, nicht lediglich mit dem Ausfluss seiner Kraft oder einem erschaffenen Abgesandten. Schließlich beantwortet Raedel seine Einstiegsfrage positiv mit dem Bekenntnis von Nizäa-Konstantinopel (381 n.Chr.).
Peter Zimmerling schreibt in seinem pastoraltheologischen Artikel über die Bedeutung der Erfahrung im Rahmen der Lehre vom Heiligen Geist, zeigt aber auch Grenzen der Erfahrungsorientierung auf. Er plädiert für eine konsequent trinitarische Ausrichtung der Theologie, insbesondere der Lehre von den Charismen, die nicht als „schöpfungsfreier“ Ort missverstanden werden dürfen.
Mit der Vielfalt der Aspekte lädt das Buch zu einer Entdeckungsreise ein, den Heiligen Geist in das persönliche Glaubensleben und in das Gemeindeleben einzubeziehen. Es „soll ein Reisebegleiter sein, um Gottes Geist auf unserem Glaubensweg zu entdecken und ihm Raum zu geben“ (Swen Schönheit).
Im Reflexionsteil und im Praxisteil des Buches wird zu vielfach geäußerten Fragen Stellung bezogen, wie zur Prophetie (Tillmann Krüger), zur Unterscheidung der Geister (Manfred Schmidt), zur spirituellen Welt (Jonathan Walzer), zur Krankenheilung, zur Lehre von der „Geistestaufe als zweite Erfahrung“, zur Rede von der „Heilig Geistkraft“, zur „geistlichen Kampfführung“, zu Sakramenten als „Landebahnen des Heiligen Geistes“ (Martin Birkenhauer) – jeweils mit Literaturempfehlungen. Von Erfahrungen aus den Bereichen Seelsorge, Evangelisation (Philipp Rüdiger), Gemeindegründung (David Kröker), Jugendarbeit (Rhiana Spörl und Thomas Oberdorf) und Lobpreisleitung (Frauke Bielefeldt) wird berichtet und wertvolle Anregungen werden gegeben zum Gebet (Hartmut Grüger), zum „Hörenden Gebet“ (Ralf und Margarete Gottwald, Hartmut Grüger und Frauke Bielefeldt), zum Sprachengebet (Tobias Lenhard), zum Heilungsauftrag der Gemeinde (Michael Bendorf) und zum Befreiungsdienst (Joachim Hipfel).
Mit ausgewogener theologischer Reflexion und vielfältigen praktischen Anregungen weckt das Buch eine Sehnsucht nach einem neuen Wirken des Geistes Gottes. Durch die Vielzahl der behandelten Themen eignet es sich auch als Nachschlagewerk zu Fragen von Pneumatologie und Spiritualität. Theologischen Ausbildungsstätten kann es wegen seiner gründlichen Reflexion – mit zahlreichen Belegen und Verweisen – und seiner Verbindung von biblischer Lehre und Glaubenspraxis empfohlen werden.
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