Einladung mit Hindernissen

Zur Person: Matthias Lotz ist Pastor in der EFG Kempten. Hier gibt er einen Einblick in seine persönliche Geschichte.

Schon als kleiner Junge habe ich Jesus kennen- und lieben gelernt. Doch der Heilige Geist war für mich dabei eher eine Randfigur, so ähnlich wie der Josef in der Weihnachtsgeschichte.


Der Heilige Geist – Randfigur mit Problemzonen?

Als Teenager stellte ich fest, dass es mit dem Heiligen Geist irgendein Problem geben musste. Manche Christen würden ihn auf ungesunde Weise überbetonen. Deshalb sollte man z.B. auf keinen Fall Lieder singen, in denen man um den Heiligen Geist bittet, weil er ja schon da ist und nicht mehr zu kommen braucht. Aus dem gleichen Grund wurde auch vor dem Alpha-Kurs gewarnt.

Ich hielt mich daran und schwieg, wenn z.B. die Liedzeile kam: „Vater, füll uns immer wieder neu mit deinem Geist“. Ich hörte auch, dass es ein Problem mit der Pfingstbewegung gäbe und man deswegen eine Berliner Erklärung verfasst hätte, um das klar abzugrenzen. Die Leute, die den Heiligen Geist „überbetonten“, wären „Schwärmer“, die entweder zu viel Emotionen in den Glauben bringen oder sogar Türen für dämonisches Wirken öffnen würden. Auf jeden Fall seien sie nicht „nüchtern“ und orientierten sich hauptsächlich an ihren Erfahrungen.

Mit 18 schaute ich über den Tellerrand meiner Gemeinde und traf bei Missionseinsätzen von OM (Operation Mobilisation) in England Christen, die sehr viel Wert auf den Heiligen Geist legten, aber gleichzeitig so gar nicht in mein Bild von Charismatikern und Pfingstlern zu passen schienen. Ganz im Gegenteil, ich fand sie sehr inspirierend und tief gegründet im Wort Gottes. Mein Interesse war geweckt.
In Diskussionen merkte ich gemerkt, dass mein Interesse am Heiligen Geist wuchs, obwohl ich viele Kritikpunkte an der charismatischen Bewegung nachvollziehen konnte. Konnte man sich nicht für den Heiligen Geist interessieren und trotzdem einen nüchternen Glauben behalten?


Was ist mit dem „Sprachengebet“?

Ein zentraler Punkt in der Diskussion lautete, dass das Sprachengebet eigentlich aufgehört habe und man es deswegen nicht suchen sollte. Zur Begründung wurde 1. Korinther 13 herangezogen (V. 8-12, NLB):

8 „Die Liebe wird niemals aufhören, selbst wenn Prophetie, das Reden in unbekannten Sprachen und die Erkenntnis vergehen werden. 9 Jetzt erkennen wir nur wenig, und auch unser prophetisches Reden offenbart nur wenig! 10 Doch wenn am Ende das Vollkommene erscheint, wird das wenige aufhören. 11 Als ich ein Kind war, redete und dachte und urteilte ich wie ein Kind. Doch als ich erwachsen wurde, legte ich das Kindliche ab. 12 Jetzt sehen wir die Dinge noch unvollkommen, wie in einem trüben Spiegel, dann aber werden wir alles in völliger Klarheit erkennen. Alles, was ich jetzt weiß, ist unvollständig; dann aber werde ich alles erkennen, so wie Gott mich jetzt schon kennt.“

In Vers 8 sahen viele den Beweis in der Bibel, dass das wahre Sprachengebet aufgehört habe. Jeder, der es jetzt noch praktiziert, mache demnach etwas anderes. Paulus hätte es ja nicht geschrieben, wenn es nicht bald aufhören würde. Mit dem Ende der Zeit der Apostel hätten die Wunder aufgehört und vom Sprachengebet lese man ja eh nur in der Apostelgeschichte und bei den Korinthern. Dann hätte es im Grunde schon wieder nachgelassen; und spätestens, als mit dem biblischen Kanon das „Vollkommene“ gekommen sei, wäre es dann endgültig vorbei gewesen.

Mit den Jahren stellte ich mir die Frage, ob das wirklich so stimmt. Inzwischen hatte ich die Bibel mehrfach durchgelesen und sogar Theologie studiert, aber meine theologischen Fragen waren damit nicht weniger geworden. Könnte es sein, dass mit dem Vollkommenen nicht die Bibel gemeint sei, sondern die zweite Wiederkunft Christi? Das würde bedeuten, dass es das Sprachengebet und auch die Prophetie noch gibt. Durch die nüchterne Betrachtung von Gottes Wort kam ich dem Heiligen Geist näher.


Von „Offenheit“ zur Begegnung

Nun stand ich dem Heiligen Geist offen gegenüber, doch diese Offenheit war ein positiver, aber auch passiver Zustand. Gut 20 Jahre vergingen mit diesem offenen Interesse. Ich glaube, dass viele Christen und Gemeinden in diesem Zustand feststecken – sie sind „offen“ für den Heiligen Geist, aber sie erleben ihn nicht, weil sie passiv bleiben.

Als frisch gebackener Pastor einer Ev.-Freikirchlichen Gemeinde startete ich bald einen Alpha-Kurs. Vorher hatte mich niemand in meiner EFG-Gemeinde oder im Studium an der Theologischen Hochschule in Elstal damit konfrontiert, dass das mit dem Heiligen Geist mehr sein könnte, als ich es lebte.

Als wir im Alpha-Kurs zum Kapitel über den Heiligen Geist kamen, ließ ich für mich beten. Ich wollte die Fülle des Heiligen Geistes erleben! Und dann geschah es: Ein Gefühl von Freude und ganz tiefem Frieden durchströmte mich. Dazu sagte etwas in mir: „Ach, du bist der Heilige Geist!“ Ich kannte ihn schon lange, aber ich hatte ihn noch nie bewusst wahrgenommen.

Mir war klar, dass der Heilige Geist als Person schon ab der Bekehrung in mir war (1. Korinther 12,4). Aber in der Bibel wird der Heilige Geist manchmal auch als Flüssigkeit beschrieben (Wasser, Öl). Eine Flüssigkeit kann (z. B. in einem Tank) mehr oder weniger vorhanden sein. Bei Paulus heißt es:

„Lasst euch vom Geist erfüllen!“ (Epheser 5,18)

Grammatikalisch gesehen ist das ein Imperativ Passiv: Ich kann es nicht selbst machen, aber ich werde dazu aufgefordert, mich danach auszustrecken, damit es an mir geschehen kann.

Ähnlich heißt es, dass wir nach den Gaben streben sollen (1. Korinther 14,1). So fing ich an, für die Gabe des Sprachengebets zu beten. Mir war bewusst, dass die Korinther es kräftig übertrieben hatten und dafür zurecht kritisiert wurden. Aber wer daraus folgert, dass wir gar nicht mehr im Geist beten sollen, fällt auf der anderen Seite vom Pferd.


Neue Gaben und Aufgaben

Nach einigen Monaten betete ich auf einem Spaziergang für die Gabe des Sprachengebets, als es zu regnen begann. Ich stellte mich unter einen Busch und entdeckte direkt hinter mir zwischen den Apfelbäumen einen Regenbogen. Ich verstand ihn als Zeichen, dass Gott mir die Gabe bald schenken würde. Tatsächlich wurde auf einer Freizeit ein Workshop für Sprachengebet angeboten.

Ich nahm teil und empfing es. Das veränderte mein Gebetsleben sehr positiv. Auch meine Liebe zu Gottes Wort wurde durch den Heiligen Geist nicht weniger, sondern ganz im Gegenteil, aber dazu kam nun noch eine Liebe zum Gebet und zum Reden und Leiten des Geistes dazu. Wenn andere für mich beteten, achtete ich z.B. darauf, ob Gott durch ihre Worte zu mir reden würde. Das erlebe ich seitdem regelmäßig. Wenn ich in einer Frage Orientierung suche, bitte ich bewusst um die Führung durch den Heiligen Geist.

Jetzt war es naheliegend, auch mal bei der GGE (Geistliche Gemeinderneuerung) vorbeizuschauen. Das hatte ich eh schon seit ein paar Jahren vorgehabt. 2013 war ich dann auf der Konferenz in Braunschweig dabei und traf auf Leute, mit denen ich gemeinsam unterwegs sein wollte. Sie hatten den gleichen Hunger nach Gottes Wort und seinem Heiligen Geist. Da fühlte ich mich zu Hause und verstanden. Obwohl ich schon seit Jahrzehnten Christ war, fühlte ich mich wie ein Baby im Heiligen Geist. Ich spürte einen Hunger, zu wachsen, der bis heute anhält.

Seit 2022 leite ich nun die GGE. Ich freue mich, dass ich diesen Weg mit Jesus und seinem Geist eingeschlagen habe. Und mich treibt die Leidenschaft, dass auch andere Christen entdecken, wie sie mit dem Heiligen Geist voll durchstarten können.
Im Jahr mit dem Heiligen Geist laden wir dich dazu ein, deine Offenheit für den Heiligen Geist in den Blick zu nehmen und die nächsten Schritte zu gehen. Gott hat Wunderbares für dich und deine Gemeinde vorbereitet und er freut sich darüber, wenn du ihm mit offenen Armen entgegenkommst.

Lass dich überraschen!

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